Das Bloggen & Ich – Von Problemen, falschen Vorstellungen und Perfektionismus

Ein Fashionblog sollte es werden, das war mir klar. Schon seit langem spielte ich mit dem Gedanken einen eigenen Blog zu starten. Ich sprudelte vor Ideen – noch immer übrigens – und dachte, das ist es, das machst Du jetzt. Also fing ich an zu recherchieren. Wie läuft so etwas eigentlich? Wie starte ich meinen eigenen Blog? Schnell war klar, WordPress sollte es sein, DAS Content Management System für Blogger schlechthin. 

Also begab ich ich auf die Suche nach einem geeigneten Template und was soll ich sagen? Ich habe Tage, nein, sogar Wochen damit verbracht das eine Template zu suchen, was mir wirklich gefiel. Das Template, was all meinen Vorstellungen entsprach und was vor allem hübsch aussah, denn darum geht es doch auf so einem Fashion Blog, oder?

Nach langer Suche stand es fest. Das Template InFashion sollte es werden. Aber nun bestand da noch ein Problem. Wie funktioniert das überhaupt? Woher bekomme ich die Domain und wie gelangt dieses hübsche Template dann überhaupt ins Internet? Fragen über Fragen aber glücklicherweise konnte mir damals (und auch noch heute) meine bessere Hälfte dabei behilflich sein, da er eine eigene Internetagentur leitet. Somit war auch der Hosting Anbieter schnell gefunden und die Domain registriert. Plötzlich war er da, mein Blog, damals noch Ladandeli.

Das Bloggen – los geht es 

Stolz wie Oscar fing ich an das Template einzurichten und zu gestalten. Ein Post Slider musste unbedingt sein, natürlich kein langweiliger mit den Links zu den drei letzten Beträgen, nein, es sollte gleich der große Slider sein, der mindestens 6 ach was, besser 10 Bilder zeigte, denn auf so einem Fashion Blog gibt es doch immer so viel zu entdecken.

Das ging schnell, der Slider war eingerichtet. Natürlich war er leer, klar, ich hatte ja auch noch gar nicht angefangen zu bloggen, aber das kommt ja alles. In ein paar Tagen habe ich sicher schon die ersten drei Beiträge zusammen und bis dann irgendwann der Traffic auf dem Blog steigt, ist der Slider schön gefüllt, also alles kein Problem. Nach ein paar kleineren Anpassungen (welche Schriftart nutze ich und wie groß ist der Text mit seinen Überschriften) konnte es dann los gehen.

Der Start – wie einfach doch alles war

Es war Sommer, im Juli 2015 ging mein Blog fertig konfiguriert online und ich wusste gar nicht wie ich all meine Ideen unterbringen sollte. Am liebsten wäre es mir gewesen, der Tag hätte 48 Stunden, dann hätte ich neben meinem Job einfach mehr Zeit gehabt all die tollen Dinge zu schreiben und zu fotografieren, die mir so in den Sinn kamen. Da ich beruflich als Produktmanagerin viel auf Messen unterwegs bin, war der erste Post schnell geschrieben. 

Mein Besuch auf der Messe Panorama in Berlin. Bei all den Impressionen war dies kein Problem. Das ein oder andere Foto habe ich fix mit dem Handy geschossen und das war es dann auch schon. Fotos etwas nachbelichtet und ab in die Mediathek des Blogs. Schnell noch ein paar Zeilen dazu und fertig war der erste Blogpost. Ich war stolz und motiviert und habe mich auf den nächsten Beitrag gefreut.

Bei dem traumhaften Sommerwetter war es überhaupt kein Problem bei einem Stadtbummel ein paar Fotos zu schießen. Da wir im Sommer sowieso viel unterwegs sind – entweder am Wochenende oder auch gerne noch einmal nach der Arbeit auf einen Kaffee in die Stadt – hatte ich immer die Chance meinem Liebsten die Kamera oder das Handy in die Hand zu drücken um die Outfits festzuhalten. Das Licht passte und alles war so einfach, so ungezwungen und hat – zumindest mir – richtig viel Spaß gemacht. 

Bloggen leicht gemacht? – Nicht im Winter!

Dann aber irgendwann wurden die Tage kürzer, der Sommer neigte sich seinem Ende entgegen und plötzlich war es Abends nach der Arbeit schon furchtbar dunkel draußen. Somit wurde es immer schwieriger Outfits zu shooten. Das frustrierte mich und ich verlor die Lust. Nicht wirklich die Lust am Bloggen, mich hat das Fotografieren und Schreiben nach wie vor total interessiert aber egal welche Fotos ich machte, ich war nie zufrieden. Es war immer nur eine „Notlösung“ in meinen Augen und das reichte mir nicht. Die Blog Posts, die ich bisher geschrieben hatte gefielen mir auch überhaupt nicht mehr und das Layout – das war ja wohl sowieso völlig veraltet – der Slider mit den vielen Bildern, den ich mir zu Beginn so gewünscht hatte sah einfach nur chaotisch und nicht harmonisch aus. Klar, wie sollte er auch? Bei den unterschiedlichsten Outfits in verschiedenen Farben hatte all das nichts mehr mit meiner damaligen Vorstellung zu tun. Also musste ein anderes Template her. Ja, mein Blog war zu diesem Zeitpunkt noch kein Jahr alt und ich hatte gerade mal lächerliche 23 Posts veröffentlicht.

Das Bloggen und der Content

Eigentlich überhaupt kein Grund an dem Blog etwas zu ändern. Das einzige, was ich hätte ändern müssen war der Content, denn was brachte es mir, das gesamte Layout zu überarbeiten, ohne, dass überhaupt regelmäßige Posts auf dem Blog erscheinen, denn das ist das elementar wichtigste für solch einen Blog – ohne Content kein Traffic.

Was bringt der schönste Blog, wenn kein Inhalt kommt? Ganz richtig, rein gar nichts. Aber auch davon ließ ich mich nicht abhalten. Anstatt mich um weitere Posts zu kümmern, fing ich an, den Blog komplett umzugestalten. Denn Abends konnte ich sowieso keine Fotos machen weil es dunkel war – böse Winterzeit – und am Wochenende stand irgendwie immer soooo viel an, dass ich die Kamera zwar regelmäßig in meiner Handtasche spazieren führte, sie aber dann doch nie genutzt habe. Irgend etwas passte mir immer nicht. Mal war es das Wetter, dann war es die Handtasche, die nicht zum Outfit passte, ein anderes Mal waren Freunde mit dabei und es was mir unangenehm vor ihnen vor der Kamera zu posen. Dazu kam, dass ich meinen Freund noch nicht so richtig von dem Hobby Fotografie überzeugen konnte und so geschah es, dass der Blog überhaupt nicht mehr gepflegt wurde.

Viel wichtiger als der Inhalt war mir, das Design zu verändern und zu allem Überfluss dann auch noch den Namen. Ladandeli hieß er, ein Name der mir damals in den Kopf kam und der mir irgendwie gefiel. Er hatte etwas weibliches und etwas phantasievolles aber so dachten nicht alle und immer wieder bekam ich zu hören „Du hast doch da diesen Blog Lalalalada oder wie hieß er noch gleich?“ Das ganze hat mich irgendwann so gestört, dass ich letztendlich auch den Namen geändert habe. Nun heißt er Blogstyle, was ich nicht bereue, denn der Name gefällt mir, er ist super. Viel einprägsamer, einfacher und zudem noch moderner. Was mich aber nun beschäftigt ist der Ärger über mich selber, denn ich habe etwas persönliches aufgegeben um anderen zu gefallen und dabei ist es doch mein Hobby.

Macht all das überhaupt noch Sinn?

Wie dem auch sei. Der Name und die Domain wurden geändert und nachdem das neue Template gekauft war, fing ich an, den Blog neu zu gestalten. Und genau das mache ich nun seit einigen Wochen. Natürlich ohne neuen Content. Bis heute ist er noch immer nicht „fertig“, denn das ausgewählte Template kann zwar wahnsinnig viel, ist aber auch wahnsinnig komplex und somit ist das Thema Blog für mich zu einem riesigen Designexperiment ausgeartet – mit wenig bis keinem Erfolg. Zuletzt war ich so frustriert, dass ich mich gefragt habe, ob das alles überhaupt noch Sinn macht und ob ich „das mit dem Bloggen“ nicht lieber anderen überlassen sollte, die es „können“. 

Aber der Gedankengang hat mich dann richtig wütend gemacht. Wütend auf mich selber denn mit welch einer Vorstellung bin ich offenbar an den Blog heran gegangen? Eigentlich ist es ein Hobby, ich schreibe gerne Texte und interessiere mich für die Fotografie aber irgendwie habe ich völlig falsche Erwartungen an den Blog und an mich gehabt. Alles sollte perfekt sein und wenn es das nicht war, dann habe ich es halt gelassen. Ich weiß nicht wie viele Posts ich vorbereitet habe, dann aber doch wieder gelöscht und nie veröffentlicht habe weil „das Thema doch gar nicht so spannend“ oder „die Fotos nicht schön genug“ waren.

Mein Fazit über das Bloggen

Was für ein Quatsch. Mal ehrlich, haben wir nicht alle immer viel zu hohe Ansprüche an uns und unser Leben? Streben wir nicht alle nach Perfektion und machen uns das Leben damit nur selber schwer? Höher, weiter, besser und nie ist etwas wirklich mal GUT? Was verbauen wir uns damit nicht alles, dadurch verlernen wir doch total die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen, in diesem Fall mein Hobby auszuüben. Damals, ganz zu Beginn, da habe ich gepostet, was mir gefiel. Wo steht geschrieben, dass man sein Hobby „perfekt“ ausüben muss? Es ist ja nun mal nicht mein Job und ich bin über den Blog nicht darauf angewiesen Geld zu verdienen. Also heißt es für mich nun mal einen Gang zurück zu schalten und das Design Design sein zu lassen. Er ist nicht schön, kann optisch bei weitem nicht mit all den anderen Blogs mithalten aber er ist mein Hobby und deswegen werde ich weiter bloggen und zwar über die Dinge, die mich wirklich interessieren. 

Auch wenn die Texte nicht perfekt sind und die Fotos nicht dem allgegenwärtigen Instagram Standard entsprechen, ich werde meine Beiträge trotzdem posten, denn das war es, warum ich ursprünglich mit dem bloggen angefangen habe, es war mein Hobby, bis es zum perfektionistischem Designprojekt wurde.

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